Die 7 einsamsten Strände in Portugal
Einen wirklich leeren Strand findet man in Portugal im Hochsommer kaum noch. An der Algarve liegt Handtuch an Handtuch, und auch die bekannten Buchten der Westküste sind längst kein Geheimtipp mehr. Die wirklich stillen Buchten in diesem Beitrag verlangen Ihnen im Vorfeld etwas ab: einen steilen Abstieg über loses Geröll, eine kurze Bootsüberfahrt, einen abenteuerlichen Fußmarsch durch dichtes Schilf oder das präzise Timing mit den Gezeiten. Genau diese natürlichen Hürden sind es, die die Masse auf Distanz halten. Wenn Sie sich auf den Weg machen, müssen Sie vorbereitet sein: An keinem dieser Strände gibt es im Normalfall einen Rettungsschwimmer, einen Kiosk oder Schatten. Ausreichend Wasser, verlässlicher Sonnenschutz und griffige Schuhe gehören zwingend ins Gepäck. Bitte beachten Sie: Der Atlantik ist an der West- und Südwestküste mit seiner rauen Strömung und dem kalten Wasser kein harmloser Badesee.

1. Praia da Ursa
Der „Strand der Bärin“ liegt nur rund einen Kilometer nördlich vom Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt des europäischen Festlands. Die Bucht ist berühmt für ihre spitzen Felsnadeln, die wie Monumente aus dem Wasser ragen – und berüchtigt für den Weg dorthin. Vom Aussichtspunkt oben an der Klippe erwartet Sie ein etwa 20 bis 30 Minuten langer Abstieg über einen sandig-steinigen Pfad. An einer kleinen Plattform auf halber Strecke gabelt sich der Weg in drei Richtungen. Merken Sie sich: Begehbar ist nur der ganz linke. Die beiden anderen Pfade enden im Nichts.
Das Gelände hier verlangt Respekt. An einer Schlüsselstelle müssen Sie eine etwa neun Meter hohe Felspassage hinunterklettern. Ein Seil, das hier in der Vergangenheit Halt bot, ist inzwischen verschwunden. Flip-Flops sind hier untauglich – man hört immer wieder von Touristen, die den Rückzug antreten oder auf dem Hosenboden nach unten rutschen. Festes Schuhwerk ist absolute Pflicht, und bei Nässe sollten Sie den Abstieg komplett meiden, da der Pfad dann schlicht lebensgefährlich wird. Unten angekommen, sollten Sie Ihr Handtuch nicht direkt an die Steilwand legen: Hier droht regelmäßiger Steinschlag unter den Klippen.
Einen offiziellen Parkplatz für die Bucht suchen Sie vergebens. Sparen Sie sich das wilde und oft riskante Parken am engen Straßenrand; stellen Sie Ihr Auto stattdessen ordentlich am Cabo da Roca ab und laufen Sie das kurze Stück zum Klippenrand. Gerade an Wochenenden und in den Stunden vor Sonnenuntergang wird es dort schnell voll. Haben Sie den Abstieg geschafft, belohnt Sie eine raue Kulisse aus purem Sand und massivem Fels, während eine kräftige Brandung mit starkem Sog das Schwimmen zu einem unvernünftigen Risiko macht. Falls Sie wegen des grandiosen Sonnenuntergangs kommen: Beginnen Sie etwa anderthalb bis zwei Stunden vorher mit dem Abstieg, damit Sie rechtzeitig unten sind – und planen Sie genug Licht für den Rückweg ein, denn im Dunkeln wollen Sie diese Klippe definitiv nicht hinaufklettern.
2. Praia da Amália
Auf offiziellen Karten finden Sie diese malerische Bucht in der Gemeinde Odemira unter dem Namen Praia do Brejão. Im Volksmund jedoch trägt sie den Namen der berühmtesten Fado-Sängerin des Landes: Amália Rodrigues. In den 1960er-Jahren besaß sie ein Haus direkt oberhalb des Strandes. Die Bucht gehörte ihr sogar ganz offiziell, doch sie hielt den Ort für viel zu besonders, um ihn mit Zäunen abzusperren, und ließ jeden ans Wasser. Heute gehört das Juwel zum Naturpark Südwest-Alentejo und Vicentinische Küste.
Der Weg hinab ist ein kleines Erlebnis für sich. Von der Ortschaft Brejão aus machen Sie sich auf in Richtung Meer, bis Sie an eine Kreuzung kommen. Halten Sie Ausschau nach einer handgemalten Sonnenblume – hier biegen Sie rechts ab. Ein schmaler Pfad führt Sie an einem ausgetrockneten Bachbett entlang, leitet Sie wie durch einen Tunnel aus dichtem Schilf und wuchernder Vegetation, bevor es über eine steile Treppe die Klippe hinabgeht. Nach etwa zehn bis fünfzehn Minuten Fußweg stehen Sie im weichen Sand, umrahmt von Klippen, an deren Rand eine kleine, wasserfallartige Quelle plätschert.
Ihren Besuch müssen Sie hier nach dem Meer richten. Wie so oft an der wilden Costa Vicentina verschwindet die Amália bei Flut fast komplett unter den Wellen. Nur wenn das Wasser bei Ebbe zurückweicht, gibt der Ozean den herrlichen Sandstreifen frei. Infrastruktur suchen Sie hier vergeblich – dafür finden Sie ungestörte Stille.
3. Praia do Cavaleiro
Nur wenige Kilometer nördlich des markanten Leuchtturms am Cabo Sardão versteckt sich eine der wildesten Buchten, die der gesamte Alentejo zu bieten hat. Rabenschwarze, schroff aufragende Klippen umarmen hier einen samtweichen, goldenen Sandstreifen, vor dem der Atlantik in unerwartetem Türkis leuchtet. Um dorthin zu gelangen, müssen Sie eine lange, geschwungene Treppe bezwingen, die sich die komplette Steilwand hinunterwindet. Genau dieser schweißtreibende Weg ist der Filter, der dafür sorgt, dass Sie diesen Strand oft ganz für sich allein haben.
Die Auslese der Besucher beginnt allerdings schon vor dem Aussteigen. Das GPS führt regelmäßig in die Irre und schickt Sie in ein wahres Labyrinth aus unbefestigten Schotterwegen. Haben Sie den Abgang schließlich gefunden, brauchen Sie oben an den Stufen ein gewisses Maß an Schwindelfreiheit. Der Blick vom Klippenrand über die Steilküste ist phänomenal, während der nahegelegene Leuchtturm einen tollen optischen Ankerpunkt bietet.
Auch in dieser Bucht führt kein Weg an der Gezeitentabelle vorbei. Bei Flut bleibt nur ein schmaler Rest Sand übrig; seine wahre Größe zeigt der Strand erst, wenn sich das Wasser zurückzieht. Wer das Timing ignoriert, blickt am Ende einer langen Treppe auf eine Bucht, die das Meer gerade vollständig für sich beansprucht.
4. Praia da Fábrica bei Cacela Velha
Ganz im Osten der Algarve liegt das winzige Cacela Velha. Es ist ein pittoreskes Ensemble aus weiß getünchten Häuschen, die sich um eine Festung aus dem 18. Jahrhundert ducken, ergänzt durch eine kleine Kirche, ein Café und einen Friedhof, der direkt in die Festungsmauer gebaut wurde. Stehen Sie im Dorf, blicken Sie weit über die Lagunenlandschaft der Ria Formosa. Der eigentliche Strand liegt jedoch verlockend auf der anderen Seite des Wassers, auf einer langgezogenen Sandnehrung.
Um dorthin zu kommen, gibt es genau zwei Möglichkeiten, und beide werden gnadenlos vom Wasserstand diktiert. Wenn Ebbe herrscht, können Sie die Lagune über natürliche Sandbänke durchwaten, was je nach Wassertiefe entspannte fünf bis zehn Minuten dauert. Doch Vorsicht beim Timing: Das Wasser kehrt erstaunlich schnell zurück. Die flachen Kanäle, die bei Ebbe warm und ruhig vor sich hin dümpeln, verwandeln sich bei Flut in tiefe Rinnen mit kräftiger Strömung. Die entspanntere Variante sind die kleinen Fischerboote, die in der Hochsaison zwischen Juni und September für etwa 1,50 Euro pro Strecke Badegäste übersetzen.
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Überfahrt zu Fuß | nur bei Ebbe, 5 bis 10 Minuten waten |
| Bootsüberfahrt | ca. 1,50 Euro pro Strecke, Hauptsaison Juni bis September |
| Strandlänge | etwa 2 Kilometer, flaches ruhiges Wasser |
| Infrastruktur | keine, kein Rettungsschwimmer, kein Restaurant am Strand |
Haben Sie das Wasser überquert, stehen Sie auf einem rund zwei Kilometer langen, herrlich leeren Strand mit flach abfallendem Wasser. Denken Sie daran, dass Sie auf der Nehrung komplett auf sich allein gestellt sind. Kulinarisch versorgen können Sie sich nur drüben im Dorf, wo die einheimischen Fischer hervorragende Austern, Venusmuscheln und Garnelen fangfrisch anliefern.
5. Praia do Carvalho
Diese kleine, von Klippen umrahmte Bucht nahe Carvoeiro an der zentralen Algarve ist ein kleines Paradoxon: Sie gehört zu den am häufigsten fotografierten, aber gleichzeitig am seltensten besuchten Stränden der Gegend. Das liegt an ihrem spektakulären Zugang. Um an den Sand zu kommen, müssen Sie durch einen handgegrabenen Tunnel gehen, den ein lokaler Grundbesitzer einst quer durch das Kalksteingestein schlagen ließ. Er ist etwa 1,5 Meter breit und 15 Meter lang. Wenn Sie hindurchlaufen, achten Sie auf die Wände: Dort stecken versteinerte Fossilien im Fels.
Ihr Weg beginnt am Parkplatz am Ende der Rua do Algarve Clube Atlântico. Von dort führt zunächst eine Treppe in die Tiefe, bevor der Tunnel beginnt. Auf den Treppenstufen sammelt sich fast immer loser Sand, was sie tückisch rutschig macht. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist dieser Strand daher leider nicht erreichbar. Genau dieses Nadelöhr ist es aber, das die Bucht vor den ganz großen Massen schützt.
Geografisch liegt der Strand genau zwischen der berühmten Praia de Benagil im Osten und der Praia de Vale Centeanes im Westen. Kommen Sie im Winter oder Frühling, gehört Ihnen die Bucht fast allein. Im Sommer mischen sich hier vor allem portugiesische Familien und Gäste aus dem nahen Carvoeiro. Einrichtungen wie Toiletten, Bars oder Liegenverleihe gibt es hier nicht. Machen Sie es sich im Sand gemütlich, aber wahren Sie Abstand zu den Wänden: Steinschlag ist an der Algarve-Küste immer ein ernstzunehmendes Risiko.
6. Ilha Deserta
Selten war ein Name so treffend. Die Ilha Deserta, von den Einheimischen auch Ilha da Barreta genannt, ist die einzige Insel im weitläufigen Naturpark Ria Formosa vor den Toren Faros, auf der dauerhaft niemand lebt. Gleichzeitig markiert ihr Sand den südlichsten Punkt des portugiesischen Festlands. Sie misst stolze sieben Kilometer in der Länge, ist an ihrer breitesten Stelle aber gerade einmal 600 Meter schmal. Es gibt keine Straßen, keine Autos und keine Wohnsiedlungen. Die gesamte Zivilisation der Insel beschränkt sich auf eine alte Fischerhütte und das umweltfreundliche Restaurant O Estaminé.
Auf diese Sandbank kommen Sie ausschließlich per Boot. Reguläre Passagierfähren des Unternehmens Animaris legen am Pier Porta Nova in Faro ab und gleiten in etwa 40 Minuten entspannt durch die Lagune. Wer nicht auf den Fahrplan schauen möchte, nimmt ein Wassertaxi, das allerdings spürbar teurer ist. Übernachten ist verboten, und mangels Unterkünften würde ohnehin niemand auf die Idee kommen – eine strikte Regel, die die Insel in ihrem unberührten Zustand belässt.
Ein Trip hierher erfordert ein wenig Vorbereitung, denn es gibt absolut keinen Schatten. Auf der kompletten Sandinsel wächst kein einziger Baum und es ragt kein Fels empor, der Schutz bieten könnte. Bringen Sie zwingend einen eigenen Sonnenschirm mit. Als geschütztes Reservat verlangt die Insel Respekt: Das Sammeln von Muscheln ist untersagt, die Wildtiere dürfen nicht gestört werden und die Wege sind strikt einzuhalten. Wenn Sie über den hölzernen Steg spazieren, der sich durch die Dünenlandschaft zieht, können Sie mit etwas Glück einige der über 300 hier gezählten Vogelarten beobachten. Die totale, winddurchwehte Stille finden Sie hier am ehesten außerhalb der heißen Sommermonate.
7. Praia da Adraga
Für den letzten Strand kehren wir zurück an die raue Sintra-Küste. Nur gut 32 Kilometer von den Toren Lissabons entfernt, fühlt man sich an der Praia da Adraga wie in einer anderen Welt. Der Strand bildet den Abschluss eines alten Flusstals, das sich im Laufe der Zeit tief durch die massiven Klippen aus schwarzem Vulkangestein gefressen hat. Weil die Bucht tief im Parque Natural de Sintra-Cascais liegt, hat man sie vor großen Hotelbauten verschont. Es gibt nur Fels, weichen Sand und die ungebremste Kraft des Atlantiks.
Das optische Highlight ist der massive Felsbogen am nördlichen Ende des Strandes. Wenn die Ebbe das Wasser zurückdrängt, können Sie direkt hindurchspazieren, die kleinen Gezeitenbecken voller Leben erkunden oder am südlichen Ende eine Reihe von Höhlen besichtigen. Beide Erkundungstouren sind strikt an Niedrigwasser gebunden. Stellen Sie sich auf einen rauen Tag ein: Die Brandung schlägt hier oft heftig an den Strand und der Atlantikwind pfeift ungebremst in die Bucht.
Im Gegensatz zu den anderen versteckten Stränden auf dieser Liste bietet die Adraga etwas Komfort: Es gibt ein exzellentes, auf frischen Fisch spezialisiertes Strandrestaurant, saubere Toiletten, Duschen und während der Sommersaison wachen Rettungsschwimmer über die Badegäste. Dass die Bucht trotzdem ihren einsamen Charakter behält, liegt schlicht an der Infrastruktur: Der kleine Parkplatz ist an Sommertagen extrem schnell voll und limitiert so ganz natürlich die Besucherzahl. Sie benötigen für die Anreise praktisch einen Mietwagen. Alternativ nehmen Sie den Bus 403 oder 439 bis Almoçageme, müssen von dort aber noch stramme 20 bis 25 Minuten laufen. Wer diese dramatische Bucht ganz in Ruhe genießen möchte, kommt früh morgens und meidet die Wochenenden, wenn die Hauptstädter ihren Ausflug ans Meer machen.
Für all diese Abstecher brauchen Sie eine flexible Unterkunft mit eigenem Fahrzeug: Ein Ferienhaus in Portugal gibt Ihnen die nötige Unabhängigkeit, um früh genug aufzubrechen und den kleinen Parkplatz an der Adraga oder das Fischerboot nach Cacela Velha noch rechtzeitig zu erwischen.