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Gibt es Quallen in Portugal?

Feiner Sand, das sanft abfallende Ufer und strahlender Sonnenschein versprechen eigentlich den perfekten Strandtag an der Algarve oder der rauen Westküste. Doch viele Urlauber begleitet eine unsichtbare Sorge: Wer schon einmal am Mittelmeer durch einen dichten Teppich aus glibbrigen Schirmen waten musste, blickt oft misstrauisch auf die Atlantikwellen und fragt sich, ob beim nächsten Schritt ein schmerzhafter Stich droht.

Ja, an Portugals Küsten gibt es Quallen, doch sie ruinieren Ihnen in aller Regel nicht den Urlaub. Im Atlantik treiben vor allem harmlose Vertreter, die bei Berührung kaum mehr als ein leichtes Zwicken oder Brennen hinterlassen. Zur echten Gefahr wird nur die berüchtigte Portugiesische Galeere. Sie taucht allerdings unregelmäßig auf und wird meist nur von bestimmten Südostwinden an die Küste gedrückt. Massenhafte Quallenplagen, wie man sie aus anderen Urlaubsregionen kennt, sind hier die absolute Ausnahme.

Viel spannender ist ohnehin eine ganz andere Erkenntnis: Der eigentliche Spielverderber für portugiesische Badegäste treibt gar nicht durch die Wellen, sondern lauert bestens getarnt genau dort, wo Sie ihn am wenigsten erwarten, direkt unter Ihren Füßen im Sand, das Petermännchen.

Qualle mit langen Tentakeln im Meer

Welche Quallen kommen in Portugal vor?

Wer vor der portugiesischen Küste eine Qualle im Wasser treiben oder am Strand liegen sieht, kann meist aufatmen, denn dabei handelt es sich fast immer um eine harmlose Art. Der Atlantik ist zwar das Zuhause mehrerer Arten, aber die meisten davon haben der menschlichen Haut wenig entgegenzusetzen.

Die Kompassqualle macht Ihnen die Bestimmung leicht. Ihr 25 bis 35 Zentimeter großer Schirm ist mit braun-orangen Bändern verziert, die wie eine Kompassrose aussehen. Streifen Sie sie im Wasser, kann das zwar unangenehm brennen, für gesunde Erwachsene ist der Kontakt aber ungefährlich. Deutlich imposanter, aber umso friedlicher, ist die Wurzelmundqualle. Sie bringt es auf stolze 60 Zentimeter Durchmesser, besitzt aber schlichtweg keine wirksamen Nesselzellen. Auch die noch größere Lungenqualle sorgt höchstens für leichte Hautirritationen. Etwas vorsichtiger sollten Sie bei der Leuchtqualle sein, die zwischen Mai und Oktober in Schwärmen wandert und nachts ein schwaches Leuchten erzeugt. Ihr Stich ist deutlich spürbar und kann bei empfindlicher Haut zu Entzündungen führen.

Art Größe (Schirm) Gefahr für Menschen
Wurzelmundqualle bis 60 cm harmlos, keine Nesselzellen
Lungenqualle bis 90 cm leichte Hautirritation
Kompassqualle 25 bis 35 cm brennt, meist ungefährlich
Leuchtqualle 5 bis 12 cm spürbares Brennen, Entzündung möglich
Portugiesische Galeere Schwimmkörper 15 bis 30 cm sehr giftig, Notfall

Die Portugiesische Galeere: die einzige echte Gefahr

Eigentlich hat sie in dieser Liste gar nichts verloren, denn die Portugiesische Galeere ist biologisch gesehen keine Qualle. Sie ist eine schwimmende Wohngemeinschaft, eine Kolonie aus vielen einzelnen Polypen, die sich zusammengeschlossen haben und nur gemeinsam überleben können. Optisch ist sie unverkennbar: Auf dem Wasser treibt ein 15 bis 30 Zentimeter großer, blau-violetter Gasballon, der wie ein kleines Segel im Wind steht. Unter der Oberfläche verbirgt sich die eigentliche Gefahr. Das Tier lässt dort seine Tentakel herab, die bis zu 30 Meter lang werden können.

Wer diese Tentakel berührt, spürt sofort brennende Schmerzen. Die Haut rötet sich, schwillt an und bildet Quaddeln. In schweren Fällen reagiert der Körper mit Übelkeit, Fieber, Atemnot oder gar einem Kreislaufschock. Eine tückische Falle: Die Nesselzellen feuern ihr Gift auch dann noch ab, wenn das Tier längst leblos im Strandsand vertrocknet. Ein Foto aus nächster Nähe oder der neugierige Stupser mit dem Zeh sind also absolut tabu.

Glücklicherweise ist die Galeere kein Dauergast. Sie bevorzugt warmes Wasser und ist vor allem eine Getriebene des Windes. Wenn der Südostwind (an der Algarve als „Levante“ bekannt) stark in Richtung Land bläst, schiebt er die blau-violetten Segler vor sich her. Dann können innerhalb weniger Tage unzählige Exemplare angespült werden, teils auf dem gesamten Küstenstreifen von der Westküste bei Sintra bis ganz in den Osten der Algarve nach Tavira und Vila Real de Santo António. Bei einem solchen Ereignis rund um Tavira zählten die Behörden einmal über 50 Verletzte. Zeigt sich der Wind jedoch friedlich, vergehen oft Jahre, in denen sich keine einzige Galeere an den Strand verirrt.

Wie wahrscheinlich ist eine Begegnung wirklich?

Wenn Sie jetzt besorgt auf Ihre Reisepläne schauen: Durchatmen. Quallenschwärme, die einem den Gang ins Wasser wochenlang vermiesen, kennt man an der spanischen Mittelmeerküste, aber nicht am portugiesischen Atlantik. Wer sich in Foren mit echten Algarve-Veteranen austauscht, hört oft denselben Satz: „In über zehn Jahren habe ich vielleicht eine Handvoll Quallen gesehen.“ Rote oder gelbe Warnflaggen wegen Quallen (oder auch Haien) sind im Hochsommer eine absolute Seltenheit.

Die Geografie spielt Ihnen dabei in die Karten. Das recht kühle Atlantikwasser an der Westküste, etwa an den Surf-Hotspots um Peniche, Ericeira oder an der wilden Costa Vicentina, ist vielen Arten schlicht zu kalt. An der Südküste der Algarve ist das Wasser spürbar milder, weshalb Sichtungen hier etwas häufiger vorkommen, aber eine Ausnahme bleiben sie trotzdem. Beobachten Sie einfach das Wetter: Steht der Wind mehrere Tage am Stück auflandig aus südlicher Richtung, sollten Sie aufmerksamer ins Wasser gehen.

Die beste Vorsichtsmaßnahme ist ohnehin Ihr eigener Blick beim Strandspaziergang. Sehen Sie im feuchten Sand oder am Spülsaum blaue „Ballons“ liegen, streichen Sie das Baden an diesem Abschnitt für den Tag und suchen sich eine andere schöne Bucht.

Quallensaison und Vorsorge

Wie bei vielen Meerestieren gibt es auch hier ein Zeitfenster: Zwischen Mai und Oktober, wenn sich der Atlantik am stärksten aufheizt, lassen sich die meisten Quallen blicken. Das überschneidet sich natürlich genau mit den Sommerferien, bedeutet aber keinesfalls, dass Sie in dieser Zeit im Slalom durchs Wasser schwimmen müssen.

Wenn Sie das Risiko vor dem Strandbesuch minimieren möchten, nutzen Sie das Smartphone. Das IPMA hat das Bürgerwissenschafts-Projekt GelAvista ins Leben gerufen. Über eine App melden Strandbesucher live, wo sie welche Quallen entdeckt haben. Das ergibt eine sehr verlässliche, stets aktuelle Karte der Küste. Am Strand selbst sind die Rettungsschwimmer und die Farbcodes der Flaggen Ihre besten Ratgeber, besonders dann, wenn der Wind aus dem Süden drückt.

Wer seinen Strandurlaub schon konkret plant, findet auf unserer Hauptseite eine große Auswahl an Ferienhäusern in Portugal.

Das eigentliche Risiko: das Petermännchen

Während alle gebannt auf die Wellen starren, wartet der wahre Schmerzverursacher im flachen Wasser. Das Petermännchen ist ein kleiner, perfekt getarnter Fisch, der sich liebend gern in flachen Sandbänken eingräbt. Auf seinem Rücken trägt er einen Giftstachel, der wie eine winzige Mine funktioniert. Wer beim ahnungslosen Waten barfuß darauf tritt, erlebt einen überraschend heftigen, stechenden Schmerz. Besonders im Juni häufen sich diese Vorfälle, da sich die Fische dann bevorzugt im knietiefen Wasser aufhalten.

Die Erste Hilfe funktioniert hier ganz ähnlich wie bei der gefürchteten Galeere: Das Gift des Fisches besteht aus Eiweiß, und das lässt sich mit Hitze zerstören. Halten Sie den Fuß für gut 15 Minuten in etwa 40 bis 45 Grad heißes Wasser. Wichtig: Weil der Verletzte durch den starken Schmerz Temperaturen oft nicht mehr richtig einschätzen kann, sollte unbedingt eine unverletzte Person prüfen, ob das Wasser nicht zu heiß ist (Verbrennungsgefahr!). Wer diesem Drama von vornherein aus dem Weg gehen will, trägt im flachen Wasser einfach Badeschuhe.

Fragen und Antworten

Was tun bei einem Stich der Portugiesischen Galeere?

Raus aus dem Wasser. Kleben noch Tentakel an der Haut, entfernen Sie diese extrem behutsam. Nutzen Sie eine Pinzette oder Handschuhe, niemals die bloßen Finger. Spülen Sie die Wunde ausschließlich mit Meerwasser. Süßwasser, Essig oder Alkohol sind tabu, da sie die verbliebenen Nesselzellen aufplatzen lassen. Tauchen Sie die Stelle danach für gut 15 Minuten in ein 40 bis 45 Grad heißes Wasserbad. Rufen Sie sofort den Notruf 112, falls Atemnot, Schwindel, Kreislaufprobleme auftreten oder die Verletzung sehr großflächig ist.

In welchen Monaten gibt es in Portugal die meisten Quallen?

Die Hauptsaison läuft von Mai bis Oktober, da sich das Wasser in dieser wärmeren Jahreshälfte aufheizt. Der Kalendermonat ist am Ende aber weniger wichtig als das Wetter: Nur wenn der Wind dauerhaft auflandig aus Süd bis Südwest weht, steigt die Chance spürbar, dass Tiere an den Strand getrieben werden.

Sind die Strände an der Westküste oder an der Algarve betroffen?

Beide Küsten können Besuch bekommen. Grundsätzlich schützt das kühlere Wasser der Westküste recht gut vor wärmeliebenden Arten, während die milder temperierte Algarve-Südküste etwas öfter Sichtungen meldet. Wenn aber bestimmte Winde eine Galeeren-Schwemme auslösen, erwischt es oft beide Küsten gleichzeitig, von Sintra an der Westküste bis hinüber nach Tavira.

Muss ich mit meinen Kindern wegen der Quallen auf den Strand verzichten?

Nein, absolut nicht. Portugals Strände sind an fast allen Tagen im Jahr völlig unproblematisch für Familien. Wenn südliche Winde wehen, werfen Sie einfach einen Blick auf den Sand (liegen dort blaue Ballons?) und achten auf die Flaggen der Rettungsschwimmer. Ziehen Sie den Kindern beim Spielen in flachen Sandbuchten Badeschuhe an. Das schützt ohnehin zuverlässig vor dem versteckten Petermännchen, von dem eine viel realere Gefahr ausgeht als von jeder Qualle. Wer mit kleinen Kindern auf Nummer sicher gehen will, findet im Beitrag Die 8 schönsten Strände in Portugal ohne Wellen flache, geschützte Buchten zum unbeschwerten Planschen.