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Die 9 schönsten Strände in Nordportugal

Die Costa Verde zieht sich von der Douro-Mündung bei Porto hinauf bis zur spanischen Grenze am Rio Minho. Wer hier eine zweite Algarve mit lauwarmem Badewannen-Meer erwartet, liegt falsch. An Nordportugals Küste hat die Natur das Sagen: Das Wasser bleibt selbst im Hochsommer meist erfrischend zwischen 16 und 19 Grad, der Nortada genannte Nordwestwind frischt fast täglich am Nachmittag auf, und Rettungsschwimmer beziehen oft erst ab Mitte Juni ihre Posten. Genau das ist der Luxus dieser Region – diese Bedingungen halten die Strände wild und herrlich leer. Die folgenden neun Küstenabschnitte führen Sie von Nord nach Süd, von der Grenze zu Galicien bis zu den Mühlenstränden von Esposende. Ein Mietwagen ist für diesen Trip praktisch Pflicht, denn viele der schönsten Buchten erreichen Sie weder mit dem Zug noch bequem mit dem Bus. Wer dabei flexibel und unabhängig übernachten möchte, ist mit einem Ferienhaus Portugal direkt an der Costa Verde am besten aufgestellt.

Sandstrand mit türkisem Wasser, grüne Hügel

1. Praia do Camarido (Caminha)

Der nördlichste Strand des Festlandes markiert ein geografisches Spektakel: Hier mündet der Rio Minho direkt gegenüber von Galicien in den Atlantik. Den besonderen Charakter verdankt die Bucht der Mata Nacional do Camarido. Dieser tiefgrüne Pinienwald geht auf König Dinis im 13. Jahrhundert zurück, der ihn nicht als königliche Zierde, sondern als Bollwerk gegen Wanderdünen pflanzen ließ, um das Hinterland vor Flugsand zu schützen. Heute spazieren Sie hier auf sandigen Pfaden im kühlen Schatten fast bis ans Wasser.

Camarido zeigt zwei völlig unterschiedliche Gesichter. Auf der offenen Atlantikseite erwarten Sie feiner Sand und eine kräftige Brandung. Wechseln Sie zur Flussseite, wird der Sand etwas gröber, das Wasser aber wunderbar still – ein idealer Spielplatz für Kinder und ein perfektes Revier für Windsurf-Anfänger. Der Blick schweift dabei hinüber zum Monte de Santa Trega auf der spanischen Seite und zum Forte da Ínsua, einer kleinen Festung aus dem 17. Jahrhundert, die rund 200 Meter vor der Küste auf einer Insel den Wellen trotzt. Dass der britische Guardian diesen Abschnitt (auch Foz do Minho genannt) in seine Liste der 40 besten Strände Europas wählte, überrascht vor Ort niemanden. Zudem punktet der barrierefreie Strand mit der begehrten Blauen Flagge.

2. Praia de Moledo (Caminha)

Moledo ist der Strand der Einheimischen. Vor allem die Bewohner aus dem nahen Viana do Castelo breiten hier ihre Handtücher aus, wodurch es selbst in der absoluten Hauptsaison erstaunlich entspannt zugeht. Das Geheimnis dieser Ruhe ist simpel: Das Wasser ist schlichtweg kalt. Die durchschnittliche Wassertemperatur erreicht im Juni nur etwa 16 Grad und klettert im Jahresverlauf praktisch nie über die 20-Grad-Marke – höchstens an wenigen sonnenverwöhnten Septembertagen.

Die Kulisse ist dennoch atemberaubend, mit freier Sicht auf die sattgrünen Hügel Galiciens und die kleine Festungsinsel vor der Flussmündung. Weil hier stets eine steife Brise weht, schätzen vor allem Wind- und Kitesurfer das Revier. Wer schwimmen möchte, sollte das Meer allerdings gut lesen können: In der Mitte des Strandes mündet die Ribeira das Preces, der Süden wird von markanten Felsformationen eingerahmt, und die ungeschützte Lage direkt am Atlantik sorgt für ordentliche Strömungen. Da die Rettungsschwimmer erst ab Mitte Juni wachen, ist vorher gesunder Respekt geboten. Planen Sie die Anreise mit dem Auto oder Bus, denn eine direkte Zuganbindung gibt es für diesen Strand nicht.

3. Praia de Vila Praia de Âncora (Caminha)

Der Rio Âncora fließt direkt über den Sand in den Ozean und teilt den Strand von Vila Praia de Âncora elegant in zwei Hälften. Das nördliche Ende schmiegt sich an die Mole eines kleinen Fischerhafens, während Sie den südlichen Teil bequem über eine Fußgängerbrücke erreichen. Wenn Sie mit der Familie reisen, steuern Sie am besten direkt den Norden an: Vor Ort nennt man diesen Abschnitt schlicht „Kinderstrand“, weil das Wasser im Schutz der Mole flach abfällt und sanfter ist. Neben Moledo und Foz do Minho ist dies der dritte barrierefreie Strand im Kreis Caminha.

Zur Wahrheit dieses Ortes gehört aber auch ein ehrlicher Blick auf die offene See. Der ungeschützte Teil der Bucht ist weitläufig und rau, weshalb er eher zum Surfen als zum entspannten Dümpeln einlädt. Ein charmantes Detail sind die traditionellen Fischerboote, die hier noch ganz archaisch auf dem Sand ruhen. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings für die Saison 2025: Die Blaue Flagge weht hier vorerst nicht mehr. Die Wasserqualität reichte nach den strengen Kriterien nur für ein „ausreichend“, für das Siegel wäre jedoch ein „ausgezeichnet“ nötig gewesen – das erste Mal seit 2018, dass der Strand ohne diese Auszeichnung in den Sommer geht.

4. Praia do Forte do Cão / Gelfa (Caminha)

Nur wenige Fahrminuten südlich des Trubels von Vila Praia de Âncora öffnet sich mit dem Praia do Forte do Cão (oft auch Praia da Gelfa genannt) eine wunderbar ruhige Alternative. Sein Namensgeber wacht stoisch über die Bucht: Das Forte do Cão wurde zwischen 1699 und 1702 errichtet und steht seit 1967 unter Denkmalschutz. Im Rücken des Strandes raschelt die Mata da Gelfa, ein Pinienwald, der sanft in eine wilde, von Felsen und Dünen geprägte Landschaft übergeht. Wer Strandtage gern mit ausgiebigen Küstenwanderungen verbindet, ist hier goldrichtig.

Trotz seiner Wildheit fehlt es an nichts: Der Strand schmückt sich mit der Blauen Flagge, bietet im Sommer Rettungsschwimmer, eine Bar und ein Restaurant. Der Weg dorthin ist unkompliziert: Sie fahren auf der N13 zwischen Viana do Castelo und Vila Praia de Âncora, biegen an der Beschilderung Richtung Forte do Cão und Gelfa ab und erreichen nach rund 1.500 Metern den kostenlosen Parkplatz direkt an der Festung. Suchen Sie sich am besten ein Plätzchen im mittelkörnigen Sand des südlichen Abschnitts, wo raue Felsen eindrucksvoll aus dem Boden ragen.

5. Praia de Afife / Praia da Arda (Viana do Castelo)

Rund sechs Kilometer nördlich von Viana do Castelo schlagen die Herzen der Surfer höher. Dieser lange Sandstreifen ist eine Legende im Norden und trägt, je nachdem, wo Sie Ihr Handtuch ablegen, verschiedene Namen: Praia de Afife im Süden, Praia da Arda im Norden, dazwischen liegen der Praia do Bico und der Praia da Mariana. Der Abschnitt Arda zieht als regelmäßiger Schauplatz von Surfwettkämpfen die meiste Aufmerksamkeit auf sich, während hinter den flachen Dünen tiefenentspannt die Pilger auf dem alten Küstenweg des Caminho Richtung Spanien wandern.

Surfer finden hier einen exponierten Beachbreak vor, der das ganze Jahr über funktioniert und sowohl linke als auch rechte Wellen liefert. Zwei Faktoren entscheiden über eine gute oder frustrierende Session: Zum einen ist Afife in erster Linie ein Niedrigwasser-Spot – drückt die Flut herein, bricht die Welle steil und das Rauspaddeln kostet enorm viel Kraft. Zum anderen werden die Strömungen ernsthaft spürbar, wenn der Swell anzieht und die Wellen die Zwei-Meter-Marke knacken. Ab dem Nachmittag drückt dann meist der verlässliche Nortada herein und verwandelt die Bucht in ein hervorragendes Revier für Kite- und Windsurfer. Wer ohne Material anreist, wird bei den lokalen Surfschulen fündig. Noch ein praktischer Rat aus den Foren der Locals: An den Parkplätzen von Afife und Arda kommt es leider hin und wieder zu Autoaufbrüchen. Lassen Sie deshalb absolut keine Wertsachen im Wagen liegen.

6. Praia Norte (Viana do Castelo)

Wenn Sie in Viana do Castelo logieren, haben Sie diesen Strand quasi vor der Haustür. Der Praia Norte liegt im Stadtviertel Monserrate und ist nach einem kurzen Spaziergang vom historischen Zentrum aus erreicht. Er trägt stolz die Blaue Flagge, doch sein eigentliches Markenzeichen sind die Gezeitenbecken (Piscinas de Marés). Diese beiden Salzwasserpools – einer für Kinder, einer für Erwachsene – wurden in den 1990er Jahren geschickt zwischen die Felsen gebaut. Die Idee dahinter: Bei Flut schwappt frisches Meerwasser hinein, bei Ebbe bleibt es als ruhige, strömungsfreie und wärmere Badewanne zurück.

Allerdings ist hier eine realistische Erwartungshaltung angebracht. Jahrelang lagen die Becken außer Betrieb, weil sie bei Ebbe schlichtweg kein Wasser hielten. Wenn Sie heute kommen, finden Sie zumindest das Kinderbecken wieder intakt vor; es wurde im Juni 2023 erfolgreich saniert. Das große Erwachsenenbecken leert sich bei Niedrigwasser jedoch weiterhin fast vollständig. Das ist aber halb so wild: Die natürlichen Felsformationen formen bei ablaufendem Wasser ohnehin wunderbar breite Gezeitentümpel. Wer nach dem Bad noch Energie hat, kombiniert den Strandbesuch mit dem Aufstieg zur majestätischen Basilika Santa Luzia – die Aussicht von dort oben über die Küste ist grandios.

7. Praia do Cabedelo (Viana do Castelo)

Direkt gegenüber der Stadt, auf der südlichen Seite der Lima-Mündung, erstreckt sich Cabedelo mit blendend weißem Sand, sanften Dünen und schattigen Pinien. Unter Kennern gilt dieser Strand als bester Kitespot Nordportugals. Die Thermik funktioniert hier wie ein Uhrwerk: Während der Vormittag oft noch spiegelglatt und windstill ist, legt nach dem Mittag der Nortada den Schalter um und bläst bis zum Sonnenuntergang mit 16 bis 35 Knoten. Wenn Sie die Windvorhersage checken, merken Sie sich diese Faustregel der Locals: Im Frühjahr und Sommer müssen Sie einfach rund 10 Knoten für den thermischen Wind dazurechnen.

Die halbmondförmige Bucht vermittelt ein hohes Sicherheitsgefühl, denn wer abtreibt, wird unweigerlich binnen Minuten wieder an den Strand gespült. In der Saison haben die Rettungsschwimmer vom Boot aus zudem alles im Blick. Auf dem Wasser sortieren sich die Fahrer in drei Zonen: Anfänger üben geschützt am Pier, Fortgeschrittene fahren side-shore vor der Strandbar, während Könner im on-shore Wind des Südens abheben. Fällt das Wasser bei Ebbe, treten im mittleren und nördlichen Bereich Felsen zutage – hier gilt der Praxis-Tipp: Neoprenschuhe sind beim Starten und Rauslaufen sehr nützlich. Ihr Auto stellen Sie auf dem kostenlosen Parkplatz ab, der auch Duschen und WCs bietet; von dort aus sind es nur rund 300 Meter bis ans Wasser.

Ein Detail zur Anreise, das Hotelprospekte gern verschweigen: Die charmante kleine Fähre von Viana, die nahe dem Foz-Restaurant beim Denkmal ablegt und für 1,50 Euro in etwa fünf Minuten übersetzt, pendelt keineswegs das ganze Jahr. Oft nimmt sie erst ab den Osterfeiertagen ihren Betrieb auf.

8. Praia de Ofir (Esposende)

Sobald Sie die Cávado-Mündung in Richtung Süden überqueren, betreten Sie mit Ofir einen der unbestritten schönsten und beliebtesten Sandstrände der gesamten Costa Verde. Über hölzerne Stege spazieren Sie durch riesige, von Pinien gesäumte Dünenlandschaften auf ein weites Sandareal. Wir befinden uns hier mitten im Parque Natural do Litoral Norte, was sich auch an den Auszeichnungen ablesen lässt: Die Blaue Flagge weht hier zusammen mit dem Gold-Prädikat für durchgehend exzellente Wasserqualität.

Richten Sie den Blick bei Ebbe aufs Meer, entdecken Sie die Kuriosität des Strandes: die Cavalos de Fão, die sogenannten „Pferde von Fão“. Diese quarzitischen Felsen aus dem Ordovizium liegen rund 500 bis 600 Meter vor der Küste und ragen bei niedrigem Wasserstand wie versteinerte Rösser aus der Brandung. Surfer und Kiter finden hier hervorragende Bedingungen. Es gibt jedoch einen architektonischen Fleck auf der ansonsten weißen Weste dieses Ortes: Direkt in die geschützte Dünenlandschaft wurden bei Ofir drei massive Apartmenttürme geklotzt, die wie riesige Fremdkörper wirken. Lassen Sie diese am besten im Rücken und genießen Sie stattdessen den grandiosen Küstenweg, der Sie über Holzstege von Esposende bis nach Fão führt – das Meer dabei immer im Blickfeld.

9. Praia da Apúlia (Esposende)

Der Strand von Apúlia markiert den brillanten Schlusspunkt und das südliche Ende des Parque Natural do Litoral Norte, jenes rund 18 Kilometer langen Dünenbandes, das sich von der Cávado-Mündung bis zum Ort zieht. Das prägende Postkartenmotiv sind die alten Windmühlen. Sie mahlen längst kein Korn mehr, sondern wurden liebevoll zu Ferienhäusern umgebaut, die wie steinerne Wächter zwischen den Dünen thronen. Weil diese Sandberge den ansonsten strammen Wind abfangen, ist Apúlia ein herrlich geschützter Spot, der besonders bei Familien hoch im Kurs steht.

Wer durch den Sand spaziert, wandelt auf historischen Spuren: Apúlia war seit jeher das Land der sargaceiros. Diese Männer holten mit massigen Ochsenkarren den Seetang (den sogenannten sargaço) aus den anrollenden Wellen, um damit die sandigen Felder zu düngen. Das Resultat dieser harten Arbeit sieht man noch heute in Form der „masseiras“ – cleverer, muldenförmig in die Dünen gegrabener Anbauflächen. Die handwerkliche Fischerei und das Sammeln von Seetang gehören hier erstaunlicherweise bis heute zum Alltag. Dem Atlantikwasser vor Apúlia wird übrigens wegen seines auffällig hohen Jodgehalts eine heilsame Wirkung nachgesagt. Gekrönt wird der Strandbesuch durch die Blaue Flagge und amphibische Rollstühle, die auch Gästen mit eingeschränkter Mobilität den Weg in die Wellen ebnen.